Herausforderungen im modernen Zoobetrieb: Erfolgreiches Seminar im Zoo Hof

Wie sehen die Zukunftsaufgaben moderner Zoos und Tierparks aus? Welche Antworten braucht es auf den Klimawandel, gesellschaftliche Debatten, steigende Sicherheitsanforderungen und die zunehmende Bedeutung gemeinsamer Kommunikation? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das diesjährige Seminar der Deutschen Tierpark-Gesellschaft, das im September im Zoo Hof stattfand.

Unter dem Leitthema „Herausforderungen im modernen Zoobetrieb“ kamen Vertreterinnen und Vertreter zoologischer Einrichtungen sowie Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Die Tagung bot eine ausgewogene Mischung aus fachlichen Vorträgen, praxisnahen Impulsen und persönlichem Austausch.

Eine besondere Tagungskulisse

Tagungsort war die Bürgergesellschaft Hof. Mit ihrer besonderen Atmosphäre bot sie einen passenden Rahmen für eine Veranstaltung, bei der es nicht nur um fachliche Herausforderungen, sondern auch um Gemeinschaft, Vernetzung und den offenen Austausch von Erfahrungen ging.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartete ein vielseitiges Programm, das zentrale Themen des modernen Zoobetriebs aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete.

Fachliche und gesellschaftliche Herausforderungen

Den Auftakt bildete der Vortrag von Dr. Dag Encke, Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten und Direktor des Tiergartens Nürnberg. Unter dem Titel „Fachliche und gesellschaftliche Herausforderungen für Zoos“ ging er unter anderem auf die Folgen des Klimawandels, die gesellschaftliche Akzeptanz zoologischer Einrichtungen und die Frage nach der Legitimität moderner Zoos ein.

Der Klimawandel stellt Zoos vor ganz konkrete Aufgaben. Hitzeperioden beeinflussen Besucherzahlen, Tierhaltung, Vegetation und Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig können Wassermangel, steigende Kosten für Futtermittel und der hohe Energiebedarf zoologischer Einrichtungen nicht ausgeblendet werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Klimaschutz und Klimaanpassung konsequent weiterzuentwickeln.

Auch die gesellschaftliche Rolle der Zoos wurde umfassend betrachtet. Zoos stehen heute nicht nur für Erholung und Bildung, sondern übernehmen Verantwortung für Artenschutz, Forschung, Tierhaltung und die Erhaltung langfristig überlebensfähiger Populationen. Damit verbunden ist die Verpflichtung, die eigene Arbeit fachlich fundiert, transparent und überzeugend zu vermitteln.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung gemeinsamer Strukturen. Eine starke Zusammenarbeit innerhalb der Zoogemeinschaft kann dazu beitragen, gemeinsame Qualitätsstandards zu entwickeln, politische Interessen wirksamer zu vertreten und der zunehmenden Zersplitterung entgegenzuwirken.

Krisenkommunikation als gemeinsame Aufgabe

Wie Zoos mit kritischen Situationen umgehen und welche Rolle dabei eine abgestimmte Kommunikation spielt, erläuterte Astrid Falter vom Verband der Zoologischen Gärten.

Krisen können unterschiedliche Auslöser haben: ein entlaufenes Tier, ein Tierverlust, ein Gerücht oder ein einzelner Vorfall, der sich schnell zu einer grundsätzlichen Debatte über Zoos entwickelt. Dabei findet die öffentliche Meinungsbildung zunehmend außerhalb der Einrichtungen statt – insbesondere in sozialen Medien.

Eine zentrale Botschaft des Vortrags lautete: Vertrauen entsteht nicht erst in der Krise. Es wird in der Krise abgerufen. Deshalb sollten Zoos bereits im Vorfeld klare Kommunikationswege, Zuständigkeiten und Abläufe festlegen. Dazu gehören ein Krisenstab, abgestimmte Sprachregelungen sowie die Einbindung der Mitarbeitenden.

Im Ernstfall kommt es auf eine schnelle, glaubwürdige, genaue und proaktive Kommunikation an. Fakten müssen gesammelt, Unsicherheiten offen benannt und die verschiedenen Kommunikationskanäle konsistent bespielt werden. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Verbänden, anderen Zoos, Behörden, der Politik, der Wissenschaft und der Tierärzteschaft.

Damit wurde deutlich: Krisenmanagement ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein fortlaufender Prozess. Eine gemeinsame und abgestimmte Kommunikation stärkt die Glaubwürdigkeit der gesamten Zoogemeinschaft.

Souverän mit Kritik umgehen

Einen sehr praxisorientierten Blick auf den Umgang mit Kritik warf Claudia Breit, Psychologin, Jägerin und Gründerin von Hunting Tales, in ihrem Vortrag „Kopfsache Kritik“.

Im Mittelpunkt stand nicht die Frage, welche fachlichen Argumente Zoos auf Kritik entgegensetzen können. Vielmehr ging es darum, was im Kopf und im Körper passiert, wenn ein Vorwurf plötzlich und möglicherweise vor Publikum geäußert wird.

Unter Stress reagieren Menschen häufig mit Rechtfertigung, Gegenangriff oder Rückzug. Die besten Argumente fallen dann oft erst später ein. Claudia Breit machte deutlich, dass dies kein persönlicher Charakterfehler ist, sondern eine typische Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung.

Ziel ist es vielmehr, ruhig und glaubwürdig zu bleiben, die eigene Haltung zu zeigen und den Dialog – sofern möglich – offen zu halten. Bei Beleidigungen oder eskalierenden Situationen gilt es dagegen, klare Grenzen zu setzen.

Vom Besuch zur bleibenden Erinnerung

Dass der Zoobesuch nicht mit dem Verlassen des Geheges enden muss, zeigte Marc Connrad von Nature Planet in seinem Vortrag „Vom Besuch zur Erinnerung“.

Der Zooshop kann ein wichtiger Teil des Gesamterlebnisses sein. Er bietet die Möglichkeit, Themen und Geschichten des Zoos weiterzuführen, Erinnerungen zu schaffen und zugleich zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Im Mittelpunkt standen praktische Hinweise zur Gestaltung von Verkaufsflächen. Sichtbarkeit, klare Themenwelten, eine gute Erreichbarkeit der Produkte und eine verständliche Preisgestaltung können dazu beitragen, Besucherinnen und Besucher besser zu orientieren.

Besonders wichtig ist dabei die Perspektive der Kinder. Produkte sollten in einer passenden Sicht- und Griffhöhe präsentiert werden. Auch eine überschaubare, thematisch gestaltete Auswahl kann wirkungsvoller sein als ein überladenes Sortiment.

Die zentrale Aussage des Vortrags: Ein guter Zooshop muss nicht möglichst voll sein. Er sollte vor allem Orientierung geben, das Erlebnis verlängern und eine passende Erinnerung an den Besuch ermöglichen.

Gemeinsam stark für die Region

Alexander Hart vom Tourismusverband Franken stellte anschließend vor, wie Tourismusorganisationen, Zoos und andere Freizeiteinrichtungen gemeinsam für eine Region wirken können.

Franken verfügt über eine große Vielfalt an touristischen Angeboten – von Natur- und Kulturerlebnissen über Rad- und Wanderwege bis hin zu kulinarischen Themen und Familienangeboten. Der Vortrag zeigte, welche Bedeutung Kooperationen, professionelles Marketing, Storytelling und digitale Sichtbarkeit für die regionale Entwicklung haben.

Auch für Zoos ergeben sich daraus interessante Anknüpfungspunkte. Sie sind nicht nur eigenständige Freizeit- und Bildungseinrichtungen, sondern zugleich wichtige Bestandteile regionaler Tourismusangebote. Gemeinsame Kampagnen, abgestimmte Inhalte und eine stärkere Vernetzung mit touristischen Partnern können dabei helfen, neue Zielgruppen zu erreichen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung hochwertiger digitaler Daten. Aktualisierte Informationen zu Angeboten, Veranstaltungen und Einrichtungen können über verschiedene Plattformen ausgespielt werden und verbessern die Sichtbarkeit. Für Zoos bedeutet dies, dass gute Inhalte und verlässliche Daten zunehmend zu wichtigen Erfolgsfaktoren werden.

Sicherheit im Zoo

Mit den Anforderungen an moderne Sicherheitskonzepte beschäftigte sich Dirk Bordasch von Bordasch Schutz + Sicherheit.

Zoos müssen gleichzeitig die Sicherheit ihrer Besucherinnen und Besucher, ihrer Mitarbeitenden und ihrer Tiere gewährleisten. Technische Lösungen können dabei helfen, Gefahren frühzeitig zu erkennen, unbefugten Zutritt zu verhindern, Ereignisse zu dokumentieren und das Personal zu entlasten.

Vorgestellt wurden unter anderem Lösungen für Einbruchschutz, Brand- und Gefahrenmeldungen, Zutrittskontrolle, Videoüberwachung sowie die Überwachung von Außenbereichen. Dabei wurde deutlich, dass technische Systeme immer Bestandteil eines umfassenden Sicherheitskonzepts sein sollten.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Videoüberwachung im öffentlich zugänglichen Raum. Planung, Zweckbindung, Transparenz, Speicherfristen und Datenschutz müssen sorgfältig berücksichtigt werden. Eine fachkundige und auf die jeweilige Einrichtung abgestimmte Planung ist daher unverzichtbar.

Austausch und Gemeinschaft

Neben den Vorträgen bot das Seminar ausreichend Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und neue Anregungen zu sammeln. Gerade der offene Dialog zwischen den Einrichtungen wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als besonders wertvoll empfunden.

Die Herausforderungen des modernen Zoobetriebs lassen sich nicht isoliert bewältigen. Ob Klimaschutz, gesellschaftliche Akzeptanz, Krisenkommunikation, Sicherheit, Besucherorientierung oder regionale Vernetzung: Viele Aufgaben erfordern gemeinsame Strategien, gegenseitige Unterstützung und ein vertrauensvolles Miteinander.

Auch die Verpflegung trug zur angenehmen Atmosphäre der Tagung bei. Die Firma Resch und Frisch sorgte während der Veranstaltung für eine tolle Verköstigung und damit für das leibliche Wohl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Ein gelungenes Seminar

Das Seminar im Zoo Hof war eine gelungene Veranstaltung mit vielfältigem fachlichem Input, praxisnahen Anregungen und zahlreichen Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Die unterschiedlichen Perspektiven der Referentinnen und Referenten machten deutlich, wie vielfältig die Aufgaben moderner Zoos sind – und wie wichtig es ist, diese gemeinsam anzugehen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, dem Zoo Hof, der Bürgergesellschaft Hof, der Firma Resch und Frisch sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie alle haben dazu beigetragen, dass das Seminar zu einer wertvollen und inspirierenden Veranstaltung im Sinne der Zoogemeinschaft wurde.

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